Ziegelwand verfugen: Anleitung für alte Ziegel und Sichtmauerwerk

Die Fuge prägt eine Ziegelwand fast so stark wie der Stein selbst. Ob Sie eine alte Wand mit bröseligen Fugen sanieren oder neu gemauertes Sichtmauerwerk nachträglich ausfugen: Mit dem richtigen Mörtel und etwas Sorgfalt entsteht ein gleichmäßiges, dauerhaftes Fugenbild.

Innenwand aus alten Ziegelsteinen als Sichtmauerwerk
Referenzprojekt: Sichtmauerwerk über Eck aus alten Ziegeln

Auf einen Blick

  • Auskratzen: alte Fugen mindestens so tief wie das Eineinhalbfache der Fugenbreite
  • Mörtel: Kalk- oder Kalkzementmörtel, der nicht härter ist als der Stein
  • Vorbereitung: Fugen säubern und vornässen
  • Wetter: trocken, bedeckt und über etwa 5 °C
  • Ergebnis: Fuge höchstens etwa 2 mm hinter der Steinoberfläche, damit Wasser ablaufen kann

Zwei Wege zum Fugenbild

  • Fugenglattstrich: Der Mauermörtel wird beim Mauern direkt glatt gezogen. Das geht schnell und ergibt ein ruhiges Bild.
  • Nachträgliches Verfugen: Beim Mauern kratzen Sie die Fugen etwa 1,5 cm tief aus und füllen sie später mit Fugenmörtel. So erhalten Sie ein besonders gleichmäßiges Fugenbild und können die Fugenfarbe frei wählen.

Bei alten Wänden ist das Thema meist ein anderes: Die Fugen sind ausgewaschen, sanden ab oder haben Risse. Dann wird der alte Mörtel entfernt und neu verfugt.

Sanierte Fachwerkfassade mit Gefachen aus alten Ziegelsteinen im Läuferverband
Referenzprojekt: Fachwerkgefache, neu ausgemauert mit alten Ziegeln. Die hellen Fugen betonen jeden einzelnen Stein.

Schritt für Schritt

1. Alte Fugen auskratzen

Entfernen Sie den alten Mörtel mindestens so tief, wie die Fuge breit ist, besser das Eineinhalbfache. Geeignet sind Fugenkratzer, Meißel und Hammer. Eine Fugenfräse geht schneller, erfordert aber eine ruhige Hand – beschädigte Steinkanten lassen sich nicht reparieren.

2. Fugen säubern

Lose Reste und Staub ausbürsten, ausblasen oder absaugen. Neuer Mörtel haftet nur auf sauberem Untergrund.

3. Vornässen

Alte Fugen und saugende Ziegel entziehen dem frischen Mörtel sonst zu schnell das Wasser – er reißt. Nässen Sie die Fugen vor und warten Sie, bis die Oberfläche der Steine angetrocknet ist.

4. Mörtel anmischen

Mischen Sie den Fugenmörtel erdfeucht und gut formbar an, am besten mit Rührquirl und nach Herstellerangabe. Fertiger Mörtel ist nur begrenzt verarbeitbar, deshalb lieber kleine Mengen anrühren.

5. Mörtel einbringen und verdichten

  • Mit Fugbrett und Fugeisen arbeiten: ein kurzes Fugeisen für Stoßfugen, ein langes für Lagerfugen.
  • Von oben nach unten arbeiten.
  • Den Mörtel in zwei Lagen einbringen und jede Lage gut verdichten.
  • Erst die Stoßfugen, dann die Lagerfugen füllen – oder abwechselnd, damit keine Lücken bleiben.

6. Fugenbild ausbilden

Ziehen Sie die Fuge glatt, sobald der Mörtel leicht angezogen hat. Sie sollte höchstens etwa 2 mm hinter der Steinoberfläche liegen, damit Regenwasser ablaufen kann und sich nicht auf einer Kante sammelt.

7. Nachbehandeln und reinigen

Schützen Sie die frischen Fugen vor praller Sonne, Wind und Regen, zum Beispiel mit einer Plane. Mörtelreste auf den Steinen bürsten Sie nach dem Ansteifen mit einer Wurzelbürste ab.

Welcher Mörtel zum Verfugen von Ziegelsteinen?

Für Ziegelmauerwerk werden meist Kalk- oder Kalkzementmörtel verwendet. Bei alten, weicheren Steinen gilt: Der Fugenmörtel sollte nicht härter sein als der Stein, sonst können Spannungen und Feuchtigkeit in den Stein statt in die Fuge gehen. Fertige Fugenmörtel gibt es in vielen Farben: Helle Fugen betonen jeden einzelnen Stein, graue wirken ruhiger, dunkle lassen die Fläche plastischer erscheinen. Bei Unsicherheit beraten Mörtelhersteller und Fachbetriebe.

Typische Fehler beim Verfugen

  • Fugen zu flach ausgekratzt – der neue Mörtel hält nicht
  • Nicht vorgenässt – der Mörtel trocknet zu schnell und reißt
  • Zu harter Zementmörtel bei alten, weichen Ziegeln
  • Verfugen bei Frost, Hitze oder Regen
  • Mörtelreste zu lange auf den Steinen gelassen

Häufige Fragen

Was nimmt man zum Verfugen von Ziegelsteinen?

Kalk- oder Kalkzement-Fugenmörtel. Für alte Ziegel sollte er nicht härter sein als der Stein.

Wie tief müssen alte Fugen ausgekratzt werden?

Mindestens so tief, wie die Fuge breit ist, besser das Eineinhalbfache der Fugenbreite.

Kann man Ziegelfugen mit Fliesenkleber füllen?

Nein. Für Mauerwerksfugen nehmen Sie Fugen- oder Mauermörtel. Fliesenkleber gehört zum Verlegen von Riemchen, die danach ebenfalls mit Fugenmörtel verfugt werden – mehr dazu unter Alte Ziegelriemchen verlegen.

Was kann man beim Verfugen falsch machen?

Die häufigsten Fehler sind zu flache Fugen, fehlendes Vornässen, zu harter Mörtel und Arbeiten bei ungeeignetem Wetter.

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Diese Anleitung gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine fachliche Beratung im Einzelfall.